Eine Welt ohne Abfall

Der Begriff Circular Economy wird in Deutsch mit Kreislaufwirtschaft übersetzt. Häufig verstehen wir darunter nur das Management der Abfallwirtschaft, wie es beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Ahrweiler praktiziert wird. Tatsächlich ist es aber viel weiter gefasst. Der Theorie folgend soll die Circular Economy in Europa strategisch eingeführt werden. Die EU-Kommission hat dazu ein strategisches Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. Das Kreislaufwirtschaftsrecht weist in Deutschland bereits weitreichend den Weg.  Die Grundlagen sind seit je her aber unverändert:

Die Natur kennt keinen Abfall. In der Natur sind alle Systeme so ausgerichtet, dass alles einen Nutzen hat. Wenn der Mensch künstliche Kreisläufe durch industrielle Produktion kreiert, dann sollte er sich an diesem Grundprinzip orientieren: Es entsteht kein Abfall, da dies verschwendete Ressourcen wären.

Theorie verstehen

Die Circular Economy bezieht sich auf alle Stoffe, Flüssigkeiten, Materialien oder Energie und damit letztendlich auf alle Produkte, welche die Natur oder der Mensch hervorbringen und befasst deren wirtschaftliche Nutzung. Wie müssen Dinge produziert werden, damit wir dies im Einklang mit den kreislaufwirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten steht? Das ist eine der Kernfragen, welche die Circular Economy beantworten will.

Prinzip 1: Die Trennung vom biologischen Kreislauf und dem physischen Kreislauf

 

 

Prinzip 2: RESOLVE

Die Abkürzungen der wesentlichen Elemente des Prinzips bilden das Wort RESOLVE, welches in Englisch so viel bedeutet wie „Neu lösen“. Die Grundprinzipien der Erneuerbarkeit, der Verlängerung der Lebensdauer von Produkten, das Reparieren und Recyceln, das Mieten, Mitnutzen und Benutzen statt Besitzen, sind bekannte Prinzipien, die sich in der Abkürzung des Wortes verbergen. Neu ist, dass die Datengrundlagen jedes Produktes bald auch in digitalen Materialpässen zur Verfügung stehen können. Dies wiederum ermöglicht die Nachverfolgung und Bewirtschaftung im Kreislauf. Neu ist sicherlich auch die Dimension, in der Kreislaufwirtschaft heute gemanagt werden muss. Die Globalisierung stellt hier besondere Herausforderungen.

Die Anwendung der beschriebenen Prinzipien kann am Klimawandel demonstriert werden. In der Atmosphäre ist Kohlenstoff Abfall und führt zu einer negativen Umweltwirkung. Aber im Boden in Form von Humus gebunden, kann es als Dünger wirken. CO2 ist also nicht per Se schlecht, sondern wirkt nur dort als Abfall, wo die Wirkung auf die Umwelt negativ ist.

Zirkuläre Geschäftsmodelle stützen sich jedoch nicht nur auf problematische Materialien und Prozesse. Ein zirkuläres Geschäftsmodell ist dadurch zu charakterisieren, dass es die Erzeugung giftiger Materialien vermeidet, gleiches gilt für die Verwendung seltener Materialien. Eine zirkuläre Antwort wäre z. B. die Substitution von Kunststoff auf fossiler Basis durch Kunststoff auf der Basis von Pflanzenmaterial aus ökologischem Landbau, der biologisch abbaubar ist. Ein weiteres zirkuläres Beispiel betrifft die viel diskutierte Herstellung von Batterien, bei denen Designs verwendet werden könnten, die frei von giftigen oder seltenen Materialien sind. Das Cradle-to-Cradle Prinzip gibt hier die Richtung für zirkuläres Design vor. Dabei werden ein technischer und ein natürlicher Kreislauf unterschieden und strikt getrennt gehalten.

Circular Economy treibt unsere emissionsfreie Zukunft voran

Circular Economy ist für unsere emissionsfreie Zukunft von wichtiger Bedeutung. Die Energiewende ist nur ein einzelner Bestandteil einer Circular Economy. Die Umstellung von fossilen und nuklearen Energieträgern zu einem 100% erneuerbaren Energiesystem entspricht dem natürlichen Ansatz. Der Übergang zu einer vollständigen Circular Economy einschließlich der Verwendung von Materialien kann nach denselben Grundsätzen erfolgen. Die Circular Economy schafft regionale und dezentrale Lösungen für dringende Umweltprobleme und lässt, erfolgreich umgesetzt, nachhaltige Lösungen für die Menschen entstehen. Die Circular Economy ist jedoch vielfältiger als die Energiewende, da die materiellen Ressourcen zahlreicher sind. Die chemische Gesetzgebung in Europa, REACH, listet mehr als 2000 verschiedene Materialien auf. Und natürlich können diese Materialeien in jedem Produkt kombiniert, verklebt oder verschraubt werden.

 

Theorien und Denkschulen der Circular Economy

Unsere Natur funktioniert wie ein System in einem Kreislauf.
Unsere Wirtschaft aber funktioniert linear.
Aus den natürlichen Systemen unseres Planeten können wir viel auch für unser eigenes Wirtschaften lernen. Die Erkenntnisse dazu wachsen täglich. Deshalb liegt der Vergleich einer Natur, die im Kreislauf funktioniert zu einer Wirtschaft, die sich dazu auch befähigen könnte, durchaus nahe. Aber unsere Wirtschaftsweise ist linear. Wir produzieren, konsumieren und werfen weg. Nicht einmal 9 % aller Güter auf der Welt werden im Kreislauf geführt. Die Frage, wie wir produzieren, konsumieren und leben können, ohne unseren Planeten dabei auszubeuten, hat einige wissenschaftliche Ansätze hervorgebracht, die zur Entstehung der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) beigetragen haben.

Die Frage, wie wir produzieren, konsumieren und leben können, ohne unseren Planeten dabei auszubeuten, hat einige wissenschaftliche Ansätze hervorgebracht, die alle maßgeblich an derzur Entstehung der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) beigetragen haben. Wir haben sie in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Biomimetrik

Die Biomimetrik oder auch Bionik befasst sich mit dem Übertragen von Phänomenen der Natur auf die Technik. Der Bionik liegt die Annahme zugrunde, dass die belebte Natur durch evolutionäre Prozesse optimierte Strukturen und Funktionen entwickelt, von denen der Mensch lernen kann. Das Forschungsfeld ist interdisziplinär. Es zieht Naturwissenschaftler, Ingenieure, Architekten und Philosophen oder Designer an. In der Bionik geht es um systematisches Erkennen von Lösungen und damit grenzt sie sich von der zweckfreien Naturinspiration ab.
Beispiele sind:
• Lotuseffekt für das Abtropfen von Wasser auf Oberflächen
• Propeller, die aus der der Flügelfrucht des Ahorns abgeleitet sind
• Schwimmflossen als Ableitung von Schwimmhäuten von Fröschen oder Wasservögeln
• Raketenantrieb als Rückstoßprinzip bei Quallen
• Klettverschluss – Vorbild sind Kletten
• Architektur des Eifelturms – Vorbild ist Knochenstruktur

C2C – Cradle-to-Cradle

Der Begriff (engl.) heißt “von Wiege zu Wiege“ und beschreibt das Designprinzip einer konsequenten Kreislaufwirtschaft als Wirtschaftsphilosophie. Cradle-to-Cradle-Produkte sind demnach solche, die entweder in biologische Nährstoffkreisläufe zurückgeführt werden können oder im technischen Kreislauf ewig in der wirtschaftlich technischen Nutzung verbleiben können, ohne Mensch und Natur zu schaden..
Der Verzicht auf Kleben oder chemisches Binden unterschiedlicher Bauteile ist eines der Grundprinzipien, so dass eine völlige Zerlegbarkeit von Produkten möglich ist. Beispiele sind deshalb völlig in ihre Grundbestandteile zerlegbare Häuser, wie das Gebäude der UmweltLernSchule+.

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